Das Wichtigste in Kürze
• Arthrose ist keine reine Entzündung, sondern eine Erkrankung des gesamten Gelenks mit Verschleiß- und Entzündungsprozessen.
• Typisch sind Belastungsschmerzen, Anlaufschmerzen, Steifigkeit und später Bewegungseinschränkungen.
• Regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht können die Gelenkgesundheit unterstützen.
• Dauerhafte Schonung und starke Fehlbelastungen sollten möglichst vermieden werden.
• Ärztlicher Rat ist sinnvoll bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen, Überwärmung oder einer deutlichen Einschränkung der Beweglichkeit.
Ist Arthrose eine Entzündung?
Arthrose wird häufig als „Verschleißerkrankung“ bezeichnet. Medizinisch ist diese Vorstellung jedoch zu einfach: Bei Arthrose spielen Entzündungsprozesse eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung, sie werden jedoch durch andere Mechanismen als bei einer autoimmun-entzündlichen rheumatoiden Arthritis ausgelöst und unterscheiden sich in der Intensität. Schwelende chronische Entzündungen unterhalten bei Arthrose den fortschreitenden Knorpelabbau. Entzündungsschübe können unter anderem Schmerzen und Schwellungen verstärken und Veränderungen im gesamten Gelenk beeinflussen. Ausgelöst wird eine Arthrose jedoch nicht durch eine Entzündung – die initiale Knorpelzerstörung kommt durch mechanische Belastungen, Stoffwechselvorgänge, Verletzungen und individuelle Risikofaktoren zustande. Erst danach reagiert das angeborene Immunsystem mit einer lokalen Entzündungsreaktion, die oftmals nicht vollständig abklingt (silent inflammation). Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Beschwerden besser einordnen und nachvollziehen, warum Bewegung und Entzündungshemmung wichtige Bestandteile der Arthrose-Behandlung sind.
Was im Gelenk passiert
Ein gesundes Gelenk besteht aus komplexen aufeinander abgestimmten Strukturen. Die Knochenenden sind von einer glatten Knorpelschicht überzogen. Dieser Gelenkknorpel ermöglicht reibungsarme Bewegungen und verteilt Belastungen gleichmäßig. Zusätzlich sorgen die von der Gelenkinnenhaut (Synovialis) ausgekleidete Gelenkkapsel, die Gelenkflüssigkeit (Synovia) sowie Muskeln und Bänder für Stabilität und Funktion.
Bei Arthrose, medizinisch auch als Osteoarthritis bezeichnet, verändern sich diese Strukturen schrittweise. Der Knorpel verliert an Elastizität und Belastbarkeit. Seine Oberfläche wird rauer, wodurch Bewegungen weniger reibungslos ablaufen. Mit fortschreitender Erkrankung können auch Knochen, Gelenkkapsel und umliegende Gewebe betroffen sein.
Lange Zeit wurde Arthrose ausschließlich als Folge von Verschleiß betrachtet. Heute ist bekannt, dass die Erkrankung wesentlich komplexer ist. Neben mechanischer Belastung spielen biologische Prozesse und lokale Entzündungsreaktionen eine wichtige Rolle.
Zu den häufigsten Risikofaktoren gehören:
• Höheres Lebensalter
• Übergewicht
• Frühere Gelenkverletzungen
• Angeborene oder erworbene Fehlstellungen
• Hohe berufliche oder sportliche Belastungen
• Bewegungsmangel
• Familiäre Veranlagung Diese Faktoren können dazu beitragen, dass Knorpelgewebe schneller geschädigt wird und entzündliche Reaktionen im Gelenk begünstigt werden.
Entzündungsprozesse verstehen
Die Frage „Ist Arthrose eine Entzündung?“ lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Arthrose ist grundsätzlich keine autoimmun-entzündliche rheumatische Erkrankung wie beispielsweise die rheumatoide Arthritis. Dennoch treten bei einer Arthrose (Osteoarthritis) Entzündungen auf und beeinflussen den Krankheitsverlauf.
Bei einer Arthrose werden Fresszellen (Makrophagen) in das Gelenk angelockt, um den Knorpelabrieb zu beseitigen. Diese schütten entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) aus, die eine unterschwellige Entzündung (silent inflammation) unterhalten und den weiteren Abbau der Knorpelmasse fördern können. Bei einem entzündlichen Schub kann sich beispielsweise die Gelenkinnenhaut entzündlich verändern. Fachleute sprechen dann von einer Synovitis. Auch dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die Schmerzen verstärken und weitere Veränderungen im Gelenk fördern können. Das erklärt, warum ein arthrotisches Gelenk zeitweise nicht nur schmerzt, sondern auch etwas geschwollen oder wärmer sein kann.
Solche Phasen werden als „aktivierte Arthrose“ bezeichnet. Die Beschwerden können vorübergehend deutlich stärker sein und später wieder abklingen. Auch Leitlinien weisen darauf hin, dass die Symptome einer Osteoarthritis schwanken können und Beschwerdeschübe auftreten, ohne dass sich die Erkrankung kontinuierlich verschlechtern muss.
Typisch für Arthrose bleiben jedoch belastungsabhängige Schmerzen. Das Knie kann beispielsweise beim Treppensteigen oder längeren Gehen schmerzen, die Hüfte beim Gehen und Aufstehen. Nach längerem Sitzen tritt häufig ein Anlaufschmerz auf: Die ersten Bewegungen sind unangenehm oder steif, anschließend bessert sich das Gefühl häufig.
Bei Menschen ab 45 Jahren gelten belastungsabhängige Gelenkschmerzen zusammen mit keiner oder einer höchstens etwa 30 Minuten dauernden Morgensteifigkeit als ein typisches Muster. Eine deutlich länger anhaltende Morgensteifigkeit oder mehrere stark geschwollene Gelenke können dagegen auf eine andere Erkrankung hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Wichtig ist zudem die Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis. Bei dieser Erkrankung ist eine fehlgeleitete Immunreaktion die zentrale Ursache der chronischen Entzündung. Typisch sind unter anderem warme und geschwollene Gelenke sowie eine länger anhaltende Morgensteifigkeit. Bei Arthrose tragen Entzündungen hingegen zum Krankheitsprozess bei, ohne dass eine solche systemische Autoimmunerkrankung zugrunde liegen muss.
Bedeutung für die Therapie
Weil Arthrose sowohl mechanische als auch entzündliche Komponenten besitzt, besteht die Behandlung in der Regel aus mehreren Bausteinen. Im Unterschied zu den autoimmun-rheumatischen Erkrankungen ist es nicht das Ziel, möglichst jede Entzündungsreaktion vollständig zu unterdrücken, sondern die chronisch schwelenden Entzündungen sollen abklingen. Zudem richtet sich die Therapie nach Schmerzen, Funktionsfähigkeit, betroffenem Gelenk und individueller Lebenssituation.
Die wichtigsten Grundlagen sind Information, regelmäßige Bewegung und gezieltes Training. Bei Übergewicht kann Gewichtsreduktion sinnvoll sein. Bei stärkeren Schmerzen können entzündungshemmende Schmerzmittel vorübergehend eingesetzt werden. Dabei müssen mögliche Risiken berücksichtigt werden, insbesondere für Magen-Darm-Trakt, Nieren und Herz-Kreislauf-System. Langfristig erscheint es sinnvoll durch eine antientzündliche und pflanzenbetonte Ernährung die Stoffwechsellage in Richtung Entzündungshemmung zu verändern. Auch dafür zugelassene pflanzliche Arzneimittel können dabei unterstützen.
Bei stärker ausgeprägten Beschwerden können weitere ärztliche Maßnahmen infrage kommen. In bestimmten Situationen können Kortisoninjektionen ins Gelenk kurzfristig Schmerzen reduzieren; eine häufige oder unkritische Wiederholung ist jedoch nicht sinnvoll. Bei weit fortgeschrittener Knie- oder Hüftarthrose mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität kann ein Gelenkersatz erwogen werden, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen.
Nicht jede Arthrose benötigt eine Röntgen- oder MRT-Untersuchung. Bei Menschen ab 45 Jahren mit typischen belastungsabhängigen Schmerzen und keiner oder nur kurzer Morgensteifigkeit kann die Diagnose häufig anhand von Beschwerden und körperlicher Untersuchung gestellt werden. Eine Bildgebung ist vor allem bei atypischen Symptomen oder Verdacht auf eine andere Erkrankung sinnvoll.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn Beschwerden nicht zu einem typischen Arthroseverlauf passen. Ärztlicher Rat ist unter anderem sinnvoll bei:
• einem plötzlich stark geschwollenen, heißen oder geröteten Gelenk,
• starken Gelenkschmerzen zusammen mit Fieber oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl,
• rasch zunehmenden Beschwerden,
• ausgeprägter oder ungewöhnlich lange anhaltender Morgensteifigkeit,
• mehreren gleichzeitig neu geschwollenen Gelenken,
• Schmerzen nach einer Verletzung oder einem Unfall,
• starken Ruhe- oder Nachtschmerzen ohne bekannte Ursache.
Ein akut heißes und sehr schmerzhaftes Gelenk sollte rasch untersucht werden, weil beispielsweise auch eine bakterielle Gelenkinfektion oder ein Gichtanfall dahinterstecken kann. Solche Erkrankungen benötigen eine andere Behandlung als eine Arthrose.
Häufige Fragen zu Arthrose und Entzündung
Ist Arthrose eine entzündliche Erkrankung?
Lokale Entzündungsreaktionen sind an der Entstehung und am Fortschreiten der Arthrose beteiligt, sie ist aber keine systemische Entzündungserkrankung wie die Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis. Entzündungsreaktionen tragen zu den allmählichen Gelenkveränderungen und zu Beschwerdeschüben bei.
Wie erkenne ich eine aktivierte Arthrose?
Typisch beim Arthrose-Schub können Schwellung, Überwärmung, Druckschmerz und eine vorübergehende Verschlechterung der Beschwerden sein.
Was bedeutet aktivierte Arthrose?
Damit ist eine Arthrose gemeint, bei der zusätzlich eine entzündliche Reaktion an der Gelekinnenhaut (Synovitis) auftritt. Typisch sind Schwellung, Überwärmung und stärkere Schmerzen.
Kann ein entzündetes Arthrose-Gelenk heiß werden?
Eine gewisse Wärme und Schwellung können bei einem Arthrose-Schub auftreten. Ein plötzlich sehr heißes, gerötetes und stark schmerzendes Gelenk sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden, da auch Gicht oder eine Gelenkinfektion möglich sind.
Ist Osteoarthritis dasselbe wie Arthrose?
Ja. Osteoarthritis ist der international gebräuchliche englische Begriff für Arthrose. Das Wort „arthritis“ im englischen Begriff kann verwirrend sein, weil Arthrose im Deutschen üblicherweise von entzündlichen Arthritiden unterschieden wird. Andererseits betont die Endung -itis in der Medizin die entzündliche Komponente einer Erkrankung, die eben auch bei der Arthrose zu finden ist.
Können Entzündungshemmer Arthrose heilen?
Nein. Entzündungshemmende Medikamente können Schmerzen und entzündliche Beschwerden lindern, beseitigen die Arthrose jedoch nicht. Wegen möglicher Nebenwirkungen sollten sie in möglichst geeigneter Dosierung und insbesondere bei längerer Anwendung medizinisch abgestimmt werden.
Wie erkenne ich eine aktivierte Arthrose Entzündung?
Typisch können Schwellung, Überwärmung, Druckschmerz und eine vorübergehende Verschlechterung der Beschwerden sein.
Kann Ernährung Entzündungen bei Arthrose stoppen?
Für eine spezielle Ernährungsform, die Arthrose oder ihre Entzündungsprozesse zuverlässig stoppt, gibt es bislang keinen ausreichenden Nachweis. Bei Übergewicht kann eine ausgewogene Ernährung zur Gewichtsreduktion beitragen und dadurch Beschwerden sowie Risikofaktoren günstig beeinflussen.
Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?
Bei anhaltenden Beschwerden, deutlichen Schwellungen, zunehmenden Schmerzen oder Einschränkungen der Beweglichkeit sowie bei akuter Verschlechterung sollte eine Untersuchung erfolgen.
Fazit
Arthrose ist keine reine Entzündung, aber Entzündungsprozesse spielen bei der Entstehung und beim Fortschreiten der Erkrankung eine wichtige Rolle. Moderne Erkenntnisse zeigen, dass Knorpelabbau und Entzündungsreaktionen eng miteinander verbunden sind. Wer Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären lässt und auf gelenkfreundliche Lebensgewohnheiten achtet, kann häufig dazu beitragen, die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.



